Interview mit Gerald Oberbeck (Eintracht Hildesheim)
Seit fast 25 Jahren macht er den Job. Als Trainer und als Manager von Eintracht Hildesheim ist Gerald Oberbeck längst so etwas wie die Personifizierung des Handballs. Der 48-Jährige will es noch einmal wissen. Nach dem wenig erfolgreichen Erstligajahr 2000 soll die Eintracht einen neuen Anlauf nehmen. Die Chancen stehen gut. Und das nicht nur, weil das Team die Tabelle anführt. Warum das Team aufsteigt und was Oberbeck und seine Mitstreiter aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben, darüber redet er ausführlich in diesem Interview.
Glückwunsch! Für Eintracht Hildesheim läuft die Saison zurzeit wirklich
hervorragend.
Stimmt! Wir sind bislang sehr zufrieden. Keiner hier hätte erwartet, dass es so
gut läuft. Es hat bislang alles gepasst. Auch, weil die zahlreichen
Neuverpflichtungen voll eingeschlagen haben.
Zur Zeit liegen Sie offenbar voll im Fahrplan.
Eigentlich haben wir zu Saisonbeginn keinen Fahrplan ausgegeben. Wir
wussten zwar, dass wir uns mit Spielern wie Cazal, Gorpishin und
Lakenmacher auf zentralen Positionen gut verstärkt hatten, aber erstens
wussten wir nicht, was die anderen machen, und – zweitens – hatten wir mit
Gegnern wie Stralsund und Delitzsch ein schweres Auftaktprogramm. Diese
beiden Spiele haben wir gewonnen, dennoch war das nicht planbar.
Warum ist das Team so gut?
Einmal, weil wir für die Ansprüche einer zweiten Liga schon einige
Ausnahmespieler verpflichtet haben. Die haben sich rasch integriert, vor allem
auch, was die menschliche Seite angeht. Wir haben eine gute Mannschaft
auch außerhalb des Spielfeldes, die Rückhalt besitzt bei den Sponsoren, bei
den Fans, in der gesamten Region.
Sie gehen auch ganz offensiv mit dem Thema Aufstieg um. Schon zu
Saisonbeginn gaben Sie das Ziel aus, um die Plätze eins bis drei mitspielen zu
wollen.
Zu Saisonbeginn war klar ist, dass wir irgendwann in die erste Liga wollen.
Jetzt aber stellt sich die Situation neu dar. Wir sind Tabellenführer mit zwei
Punkten Vorsprung und es gibt nirgends eine ähnlich dominierende
Mannschaft wie es der TuS N-Lübbecke in der vergangenen Saison war.
Zudem gelang die Integration unserer neuen Spieler überraschend schnell,
sodass wir mit dem Thema Aufstieg ganz einfach offensiv umgehen müssen.
Werden Sie zum Saisonende noch vorne sein?
In dieser Hinsicht wage ich keine Prognosen. Unser Ziel ist es, alles dafür zu
tun, aber es wäre vermessen zusagen, wir schaffen das. Dazu ist die Spitze zu
ausgeglichen. Und auch dahinter kommen Teams, die in der Lage sind, gegen
die Favoriten zu gewinnen.
Aber anders als beim ersten Bundesliga-Aufstieg vor vier Jahren wären
Team und Umfeld diesmal besser vorbereitet, oder?
Ja! Der Aufstieg im Jahr 2000 war schon irgendwie komisch. Lange sah es
nicht danach aus, am Ende werden wir überraschend Tabellenzweiter und
gelangten durch die Gummersbach-Geschichte in die Bundesliga. Erfahren
haben wir das Ende Juni, kurz darauf begann die Saison. Wir hatten keinerlei
Möglichkeiten, uns entsprechend zu verstärken. Zudem verließen uns
gestandene Kräfte wie Michael Krieter und Stephan Hauck, die aus
Altersgründen ihre Karriere beendeten. In diesem Jahr nehmen wir eine ganz
andere Mannschaft mit in die Bundesliga. Aber es war damals eine einmalige
Chance, aus der wir unsere Lehren gezogen haben.
Sie haben schon vor dieser Saison kräftig investiert und die Mannschaft
erstligawürdig verstärkt. Reicht das?
Nein! Wir haben Spieler geholt, die das Zeug für die erste Liga haben, aber in
dieser Konstellation wird das Team nicht bestehen können. Wir müssen uns
auf drei oder gar vier Positionen noch verbessern. Wir haben beispielsweise
keinen Linkshänder im rechten Rückraum. Das ist unser Knackpunkt. Wir
brauchen noch einen Deckungsstrategen, der auch am Kreis spielen kann.
Und wir möchten gern einen zweiten, Erstliga erfahrenen Keeper.
Gelingt das, deutet alles darauf hin, dass Sie nicht nur sportlich, sondern
auch finanziell für das Abenteuer 1. Liga gerüstet sind.
Was das angeht, sind die Unterschiede zwischen erster und zweiter Liga
extrem. Wir werden unseren Etat deutlich verbessern müssen – mindestens um
50 Prozent.
Wie hoch ist denn Ihr Zweitligaetat?
Der Umsatz, den wir in dieser Saison bewegen, wird im Juni bei etwa 700.000
bis 800.000 Euro liegen.
Mit dem Aufstieg und der damit einhergehenden Aufbruchstimmung fällt
möglicherweise die immer schwierige Suche nach Geldgebern ein wenig
leichter. Was deutet sich an?
Man spürt die Aufbruchstimmung durchaus. Alle sind hier heiß auf die erste
Liga. Aber bislang gibt es keinerlei konkrete Zusagen. Daran werden wir noch
hart arbeiten müssen.
Und die Halle? Erfüllt die entsprechende Erstliga-Kriterien?
Sie bietet ein gutes Potenzial. Wir verfügen über etwas mehr als 1.700
Sitzplätze. Das Kontingent kann auf knapp 2.000 erweitert werden. Hinzu
kommen rund 200 Stehplätze. In der ersten Liga werden wir die Halle
regelmäßig gut füllen. Aber bei einigen Spielen ist das Platzangebot definitiv
zu gering.
Schon mal über einen Umzug nachgedacht?
Das wird im Raum Hannover intensiv diskutiert. Es gibt allerdings keine
konkreten Gespräche. Dabei wären gerade einmal zehn Autobahnminuten bis
zur TUI-Arena zu bewältigen. Ich könnte mir vorstellen, punktuell
auszuweichen nach dem Vorbild des VfL Gummersbach. Voraussetzung
allerdings wäre, dass in Hannover in Sachen Marketing einiges passieren
wird.
Die Strukturen der Eintracht sind recht simpel zu durchschauen. Als
Manager, sportlicher Leiter und Trainer der Mannschaft sind Sie Alles in
Personalunion. Ist das so einfach zu sehen?
Natürlich nicht. Das wird häufig so vereinfacht gesehen. Aber es gibt durchaus
einen großen Kreis von Mitarbeitern und Helfern. Wir haben einen gut
funktionierenden Beirat, wir haben eine GmbH und wir haben Kräfte, die ihre
Aufgaben erfüllen, aber nicht in der Öffentlichkeit auftreten. Außerdem hat die
Personalunion durchaus auch Vorteile.
Werden sich mit dem Aufstieg strukturelle Änderungen ergeben?
Es gibt Überlegungen, dass ich langfristig verstärkt als Manager arbeiten
werde. Das kann schon zur kommenden Saison passieren. Aber ein neuer
Trainer muss passen: zu mir, zum Umfeld. Er muss auch angesichts eines
möglichen schlechten Saisonstarts in Ruhe weiterarbeiten können. Ich werde
definitiv nicht zurückkommen, wenn ich als Trainer aufhöre.
Den Aufstieg vorausgesetzt: Mit welchen Perspektiven gehen Sie in eine
Erstliga-Saison?
Als Aufsteiger kann es nur eines geben: drin bleiben. Nach der Erfahrung vor
vier Jahren erst recht. Mittelfristig wollen wir uns natürlich in der ersten Liga
etablieren. Wirtschaftlich hätten wir gute Voraussetzungen. Da es in
Hildesheim keinen höherklassigen Fußball gibt, ist die Konkurrenz anderer
Sportarten eher gering. Es gelingt uns zurzeit gut, Das Interesse ganz auf den
Handball zu lenken.
Das Gespräch führte Arnulf Beckmann
hervorragend.
Stimmt! Wir sind bislang sehr zufrieden. Keiner hier hätte erwartet, dass es so
gut läuft. Es hat bislang alles gepasst. Auch, weil die zahlreichen
Neuverpflichtungen voll eingeschlagen haben.
Zur Zeit liegen Sie offenbar voll im Fahrplan.
Eigentlich haben wir zu Saisonbeginn keinen Fahrplan ausgegeben. Wir
wussten zwar, dass wir uns mit Spielern wie Cazal, Gorpishin und
Lakenmacher auf zentralen Positionen gut verstärkt hatten, aber erstens
wussten wir nicht, was die anderen machen, und – zweitens – hatten wir mit
Gegnern wie Stralsund und Delitzsch ein schweres Auftaktprogramm. Diese
beiden Spiele haben wir gewonnen, dennoch war das nicht planbar.
Warum ist das Team so gut?
Einmal, weil wir für die Ansprüche einer zweiten Liga schon einige
Ausnahmespieler verpflichtet haben. Die haben sich rasch integriert, vor allem
auch, was die menschliche Seite angeht. Wir haben eine gute Mannschaft
auch außerhalb des Spielfeldes, die Rückhalt besitzt bei den Sponsoren, bei
den Fans, in der gesamten Region.
Sie gehen auch ganz offensiv mit dem Thema Aufstieg um. Schon zu
Saisonbeginn gaben Sie das Ziel aus, um die Plätze eins bis drei mitspielen zu
wollen.
Zu Saisonbeginn war klar ist, dass wir irgendwann in die erste Liga wollen.
Jetzt aber stellt sich die Situation neu dar. Wir sind Tabellenführer mit zwei
Punkten Vorsprung und es gibt nirgends eine ähnlich dominierende
Mannschaft wie es der TuS N-Lübbecke in der vergangenen Saison war.
Zudem gelang die Integration unserer neuen Spieler überraschend schnell,
sodass wir mit dem Thema Aufstieg ganz einfach offensiv umgehen müssen.
Werden Sie zum Saisonende noch vorne sein?
In dieser Hinsicht wage ich keine Prognosen. Unser Ziel ist es, alles dafür zu
tun, aber es wäre vermessen zusagen, wir schaffen das. Dazu ist die Spitze zu
ausgeglichen. Und auch dahinter kommen Teams, die in der Lage sind, gegen
die Favoriten zu gewinnen.
Aber anders als beim ersten Bundesliga-Aufstieg vor vier Jahren wären
Team und Umfeld diesmal besser vorbereitet, oder?
Ja! Der Aufstieg im Jahr 2000 war schon irgendwie komisch. Lange sah es
nicht danach aus, am Ende werden wir überraschend Tabellenzweiter und
gelangten durch die Gummersbach-Geschichte in die Bundesliga. Erfahren
haben wir das Ende Juni, kurz darauf begann die Saison. Wir hatten keinerlei
Möglichkeiten, uns entsprechend zu verstärken. Zudem verließen uns
gestandene Kräfte wie Michael Krieter und Stephan Hauck, die aus
Altersgründen ihre Karriere beendeten. In diesem Jahr nehmen wir eine ganz
andere Mannschaft mit in die Bundesliga. Aber es war damals eine einmalige
Chance, aus der wir unsere Lehren gezogen haben.
Sie haben schon vor dieser Saison kräftig investiert und die Mannschaft
erstligawürdig verstärkt. Reicht das?
Nein! Wir haben Spieler geholt, die das Zeug für die erste Liga haben, aber in
dieser Konstellation wird das Team nicht bestehen können. Wir müssen uns
auf drei oder gar vier Positionen noch verbessern. Wir haben beispielsweise
keinen Linkshänder im rechten Rückraum. Das ist unser Knackpunkt. Wir
brauchen noch einen Deckungsstrategen, der auch am Kreis spielen kann.
Und wir möchten gern einen zweiten, Erstliga erfahrenen Keeper.
Gelingt das, deutet alles darauf hin, dass Sie nicht nur sportlich, sondern
auch finanziell für das Abenteuer 1. Liga gerüstet sind.
Was das angeht, sind die Unterschiede zwischen erster und zweiter Liga
extrem. Wir werden unseren Etat deutlich verbessern müssen – mindestens um
50 Prozent.
Wie hoch ist denn Ihr Zweitligaetat?
Der Umsatz, den wir in dieser Saison bewegen, wird im Juni bei etwa 700.000
bis 800.000 Euro liegen.
Mit dem Aufstieg und der damit einhergehenden Aufbruchstimmung fällt
möglicherweise die immer schwierige Suche nach Geldgebern ein wenig
leichter. Was deutet sich an?
Man spürt die Aufbruchstimmung durchaus. Alle sind hier heiß auf die erste
Liga. Aber bislang gibt es keinerlei konkrete Zusagen. Daran werden wir noch
hart arbeiten müssen.
Und die Halle? Erfüllt die entsprechende Erstliga-Kriterien?
Sie bietet ein gutes Potenzial. Wir verfügen über etwas mehr als 1.700
Sitzplätze. Das Kontingent kann auf knapp 2.000 erweitert werden. Hinzu
kommen rund 200 Stehplätze. In der ersten Liga werden wir die Halle
regelmäßig gut füllen. Aber bei einigen Spielen ist das Platzangebot definitiv
zu gering.
Schon mal über einen Umzug nachgedacht?
Das wird im Raum Hannover intensiv diskutiert. Es gibt allerdings keine
konkreten Gespräche. Dabei wären gerade einmal zehn Autobahnminuten bis
zur TUI-Arena zu bewältigen. Ich könnte mir vorstellen, punktuell
auszuweichen nach dem Vorbild des VfL Gummersbach. Voraussetzung
allerdings wäre, dass in Hannover in Sachen Marketing einiges passieren
wird.
Die Strukturen der Eintracht sind recht simpel zu durchschauen. Als
Manager, sportlicher Leiter und Trainer der Mannschaft sind Sie Alles in
Personalunion. Ist das so einfach zu sehen?
Natürlich nicht. Das wird häufig so vereinfacht gesehen. Aber es gibt durchaus
einen großen Kreis von Mitarbeitern und Helfern. Wir haben einen gut
funktionierenden Beirat, wir haben eine GmbH und wir haben Kräfte, die ihre
Aufgaben erfüllen, aber nicht in der Öffentlichkeit auftreten. Außerdem hat die
Personalunion durchaus auch Vorteile.
Werden sich mit dem Aufstieg strukturelle Änderungen ergeben?
Es gibt Überlegungen, dass ich langfristig verstärkt als Manager arbeiten
werde. Das kann schon zur kommenden Saison passieren. Aber ein neuer
Trainer muss passen: zu mir, zum Umfeld. Er muss auch angesichts eines
möglichen schlechten Saisonstarts in Ruhe weiterarbeiten können. Ich werde
definitiv nicht zurückkommen, wenn ich als Trainer aufhöre.
Den Aufstieg vorausgesetzt: Mit welchen Perspektiven gehen Sie in eine
Erstliga-Saison?
Als Aufsteiger kann es nur eines geben: drin bleiben. Nach der Erfahrung vor
vier Jahren erst recht. Mittelfristig wollen wir uns natürlich in der ersten Liga
etablieren. Wirtschaftlich hätten wir gute Voraussetzungen. Da es in
Hildesheim keinen höherklassigen Fußball gibt, ist die Konkurrenz anderer
Sportarten eher gering. Es gelingt uns zurzeit gut, Das Interesse ganz auf den
Handball zu lenken.
Das Gespräch führte Arnulf Beckmann
http://www.toyota-handball-bundesliga.de
erstellt am 19.01.2005
erstellt am 19.01.2005








