Christian Hentschel im Interview
In Dormagen wimmelt es zurzeit von jungen Amerikanern. Kein Wunder: Die U 18-Auswahlteams des US-Verbandes haben im Internat des TSV Quartier bezogen. Christian Hentschel, selbst Internatsleiter und Diplom-Sportwissenschaftler mit Trainerschein, weiß, warum.
Christian Hentschel im Interview
Hentschel: "Stimmt. Wir haben gegenwärtig die U- 18-Nationalmannschaften des amerikanischen Handballverbandes zu Gast. Das ist insofern etwas Besonderes, da der US-Verband zum ersten Mal in seiner Geschichte Nachwuchsmannschaften der U- 18 zu einem Lehrgang zusammenzieht."
Frage: Da kommen die jungen Leute aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland, um hier ein Trainingslager mit diversen Testspielen zu absolvieren?
Hentschel: "Das ist nur teilweise richtig. Die Spielerinnen und Spieler, die hier in Dormagen zusammengekommen sind, sind zu einem nicht unbedeutenden Teil in Europa groß geworden und leben in Einzelfällen sogar noch hier. Zwei von ihnen stammen sogar aus Deutschland. Bei den Jungs gibt es einen Spieler, der für die Regionalliga-Mannschaft der Rhein-Neckar Löwen im Einsatz ist. Und Sophie Fasold ist eine Torhüterin, die in München lebt und sogar schon für den DHB im Einsatz war."
Frage: Geht das denn?
Hentschel: "Die Spiele, die die U 18-Auswahlteams der USA hier in Deutschland absolvieren, sind keine offiziellen Länderspiele. Außerdem besteht in dem Alter durchaus noch die Chance, einen Verband zu wechseln."
Frage: Kümmern Sie sich denn intensiv um Ihre Gäste?
Hentschel: "Wir begleiten die jungen Leute während der gesamten Zeitz ihres Aufenthaltes. Zum Beispiel waren wir alle gemeinsam in der Lanxess Arena in Köln, als der VfL Gummersbach zum Saisonstart gegen die HSG Düsseldorf spielte. Ansonsten sind die meisten auch mal ganz froh, einfach nur im Hotelzimmer zu sein. Die werden nämlich ganz schön rangenommen in der täglichen Trainingsarbeit."
Frage: Basiert diese Aktion auf der vor einigen Monaten beschlossenen Kooperation zwischen der TOYOTA HBL und dem amerikanischen Verband?
Hentschel: "Nein, das ist eine reine TSV-Geschichte, die sich aber ganz wunderbar in die Kooperation einbindet. Zustande gekommen ist das über Matt Sabatino, der für die Militärakademie West Point zuständig für diese Art von Außenkontakten ist. Der wiederum kennt Walter Esch, den Präsidenten des US-amerikanischen Verbandes, und dessen General Manager Steve Pastorino, der die Nachwuchsteams hier in Deutschland betreut."
Frage: Was hat der TSV denn mit West Point zu tun?
Hentschel: "Der TSV unterhält seit mehr als vier Jahren eine enge Kooperation mit jener Militärakademie im US-Staat New York. Das ist damals absolut zufällig entstanden. Die haben damals einen Standort gesucht, um mit ihrer Mannschaft Auslandserfahrung zu sammeln. Seither besteht diese Verbindung."
Das heißt, es gab schon diverse Besuche?
Hentschel: "Richtig. Ich selbst war auch schon mehrfach in West Point und habe dort trainiert. Und seit geraumer Zeit lebt immer ein Mitglied des Teams bei uns in Dormagen. Gegenwärtig heißt der Mann Keith Fine, ist 24 Jahre alt und bewohnt ein Zimmer in unserer Spieler-Wohngemeinschaft. Die Akademie unterstützt dieses speziell für ihre Soldaten ausgearbeitete Programm sowohl finanziell als auch ideell."
Frage: Und das weitet sich nun von Dormagen und West Point auf die Liga und den amerikanischen Verband aus.
Hentschel: "So kann man das sehen. In diesem Zusammenhang bekamen wir vor etwa drei Wochen jene Anfrage, in der die U 18 des US-Verbandes auf der Suche nach einem Trainingslager war. Was lag da näher, als die beiden Teams bei uns unterzubringen."
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erstellt am 10.09.2009
erstellt am 10.09.2009








